Corona und Kinder: Sicherheit geben und Vertrauen schenken

- Kategorie : Insights
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Die Zeiten, seitdem die Corona-Krise Österreich erreicht hat, verändern unseren Alltag, verändern uns. Begleitet von ganz neuen Sorgen und Ängsten, stellen wir uns jedem neuen Tag.

Liegst du auch nachts wach und grübelst, weil so vieles ungewiss ist? Wie soll ich für meine Kinder da sein, für meinen Job, wie geht es den Großeltern, was, wenn ich meinen Job verliere? Drehen sich deine Gedanken manchmal auch im Kreis, bis du endlich einschläfst... oder gar nicht mehr schlafen kannst?

Eigentlich sollte ich ...

Dann geht es dir so wie vielen Menschen.

Ich fühle mich unruhig, nervös, bin ungeduldig und schneller gereizt. Und plötzlich scheint auch die Leichtigkeit zu Hause verschwunden zu sein: Das Baby ist unruhig, weinerlich, schläft schlecht, lässt sich nicht ablenken, das Kindergartenkind ist anhänglich, ihm ist fad, es will auf den Spielplatz und Freunde sehen und findet alles doof, das Schulkind muss plötzlich eigenständig arbeiten, viele Aufgaben erfüllen, braucht dabei Hilfe und eigentlich sollte ich doch arbeiten. Eigentlich sollte ich mich auch mal um den Haushalt kümmern, die Beziehung ...

Wie mit Sorgen und Ängsten umgehen?

Zunächst einmal: Nimm deine Angst wahr. Angst ist ein Urgefühl, Angst schützt uns ein Stück weit. Wenn wir Angst spüren, dann versuchen wir der Ursache aus dem Weg zu gehen, sie zu vermeiden. Wir halten Angst nur schlecht aus – und das merken wir besonders im Zusammenleben mit Kindern. Wenn wir ihnen sagen „Aber geh, das ist doch nicht so schlimm“ – dann ist das ein banales Ausweichmanöver. Doch, für dein Kind ist das Monster unterm Bett genauso schlimm wie für dich gerade diese neue Angst. Ein paar tröstende Floskeln helfen da nicht weiter.

Hinschauen, annehmen, akzeptieren

In Wirklichkeit wollen wir laufen, rennen, unser Reptiliengehirn meldet sich und setzt auf Flucht. Aber wir können nicht. Wir haben, was jetzt passiert, nicht in der Hand. Wir sind überfordert. Auch wenn wir keine Veränderungen wollen, jetzt sind sie da. Jetzt müssen wir hinschauen, annehmen und akzeptieren.

Wird die Angst zu groß, hilft es oft tief durchzuatmen. Lang auszuatmen. Was dadurch passiert: Wir kommen zu uns.

Und dann gilt es, die Position des eigenen Beraters einzunehmen: Wärst Du Dein bester Freund... was würdest Du Dir raten? 

Wir werden kreativ

Angst ist ein wichtiger Teil unserer Gefühlswelt und es gibt keinen Menschen, der sie nicht verspürt. Genauso wie Sorge. Sich zu sorgen ist nicht per se schlecht, es hilft, sich auf herausfordernde Situationen vorzubereiten, etwa wenn Kindergärten und Schulen geschlossen haben und nun Home Office mit Home Schooling unter einen Hut gebracht werden müssen. Sorge und Ängste helfen aber auch, nach Lösungsansätzen und neuen Beschäftigungen zu suchen. Die können ganz schön kreativ ausfallen, wie wir in unserem Beitrag zu Familien-Indoor-Tipps festgehalten haben.

Und wenn wir uns vor Augen behalten, dass alles stets im Wandel ist, wir immer in Bewegung sind und uns ändern, dann können wir auch sehen, dass Änderungen nicht immer nur negativ sind. (Der Klassiker: "Auf Regen folgt Sonnenschein").

Was Kinder jetzt brauchen

Kinder nehmen unsere Ängste wahr, auch, wenn sie es nicht formulieren können, können sie diese fühlen.

Deswegen ist es wichtig, dass wir mit unseren Kindern über unsere Ängste sprechen – es geht nicht darum, immer stark zu sein und unsere Gefühle vor ihnen zu verbergen. Es ist eben nicht alles immer „happy peppy“. Genauso wie du mit deinen Ängsten nicht alleine sein möchtest und dich mit anderen Menschen Austausch suchst, brauchen auch Kinder Ansprache und Unterstützung.

Genauso können wir unsere Kleinen, die noch nicht ganz so viel mit Erklärungen anfangen, in aufkommenden Gefühlen von Unsicherheit trösten: Durch Nähe, durch körperlichen Rückhalt, durch Wärme und Kuscheln. Im Alltag eine echte Hilfe für Kind und Eltern.

  • Ein Baby braucht deine Sicherheit über Körperkontakt. Viel kuscheln, viel tragen, viel da sein ist nun wichtig. Nähe beruhigt dein Baby, es wird ausgeglichener und ruhiger, weil es fühlt: Du bist da. Hier ist eine Tragehilfe praktisch, weil du deine Bedürfnisse mit den Bedürfnissen deines Babys gut verbinden kannst. Deine Hände sind frei und so lassen sich Aufgaben wie E-Mail schreiben oder kochen viel leichter erledigen. Und wenn's mal an die frische Luft geht, ist dein Baby geborgen bei dir, das Geschwisterkind an der Hand, dem entspannten Spaziergang im Wald steht so nichts im Wege.
  • Selbst die schon etwas größeren Kinder werden plötzlich wieder kuschelig und suchen Halt in ihrem sicheren Hafen. Bei dir. Tut euch etwas Gutes und kuschelt. Ihr stärkt euch so gegenseitig. Und wenn ihr im Kreise der Familie ein Outing in der Natur macht, werden auch die größeren Beinchen mal müde. Da ist eine Durchschnaufpause oder ein Nickerchen bei Papa oder Mama überhaupt kein Problem. On the go, unkompliziert.

  • Mit Kleinkindern kannst du mithilfe von Glitzer-Experimenten versuchen, die Situation kindgerecht zu erklären, etwa warum Hände waschen gerade jetzt so wichtig ist. „Ich habe Angst, dass du krank wirst“ ist eine einfache Erklärung, die Kinder verstehen, denn Kranksein kennen sie. Wenn dein Kind mit der Veränderung nicht umgehen kann, dann erkläre es ihm am Beispiel der Natur: Die Natur ist stetig im Wandel, die Jahreszeiten zeigen es. Auch da gibt es Phasen, die wir vielleicht weniger mögen (zu heiß/zu kalt), aber sie gehen vorüber und dann wird es wieder besser.

  • Ältere Kinder nehmen Medienberichte verstärkt wahr und wurden vielleicht auch schon in der Schule und im Freundeskreis mit dem Thema "Corona" konfrontiert. Deswegen sprecht darüber, erklärt, was hier passiert, warum gerade ältere Menschen betroffen sind und wir deswegen zu Hause bleiben müssen, schaut euch Videos dazu an.


Über die Angst zu sprechen nimmt schon viel Anspannung aus einer Situation – es löst zwar keine Sorgen in Luft auf, aber es erleichtert.

Rituale einführen

Um bei den vielen negativen Gedanken und Gefühlen nicht unterzugehen, sind positive Rituale im Familienleben wichtig. Wir haben ein paar Ideengesammelt:

  • Schreibt ein Glückstagebuch: Notiert in diesem Tagebuch jeden Tag mindestens drei schöne Momente.
  • Dankbarkeits-Gespräche: Beim Schlafengehen ist es eine gute Gelegenheit, nochmals über den Tag zu sprechen. Leg deinen Fokus auf die Dinge, für die ihr dankbar seid.
  • Yoga für Entspannung: Es gibt viele tolle Yoga-Sessions auf Youtube (z.B. Mady Morrison), die Entspannung und Ruhe bringen und den Fokus auf dich lenken. 30 Minuten täglich verändern schon viel.
  • Kuschelzeit einplanen: Ja, unser Alltag ist neu und zwischen Kindern, Schule und Home Office muss eine Balance gefunden werden. Das braucht ein paar Tage und wird sich einspielen. Aber bei dem ganzen Durcheinander ist es wichtig, dass ihr euch bewusst Zeit für euch nehmt, zum Kuscheln, zum Lesen, zum Durchschnaufen.
  • Tanzen: Klingt verrückt (schaut vielleicht auch so aus, haha), aber Tanzen tut Körper und Seele gut und baut Stress ab. Also dreht euch eure Lieblingsmusik auf und tanzt wild durch die Wohnung! Die Kids machen mit? Umso besser!
  • Iss gesund: Obst und Gemüse sollten täglich am Speiseplan stehen, gerne auch als grüner Smoothie – danach fühlst du dich wieder frisch und energiegeladen!
  • Vergiss nicht zu lachen! Lachen ist gesund und die Wissenschaft hat herausgefunden, dass 2 Minuten Lachen so gesund ist wie 20 Minuten joggen. Erzählt euch lustige Geschichten oder Witze, schaut euch einen Film an oder dreht ein Kabarett auf. Dann kommt das Lachen ganz von selbst.

Ängste als Chance sehen

Deine Zukunftsängste sind eine große Chance und können wundervolle Dinge mit sich bringen.

Vielleicht nimmst du wieder zu alten Freunden Kontakt auf ...

... vielleicht telefonierst du wieder mehr,

... vielleicht freust du dich aber auch über die Delfine, die wieder bei Venedig gesichtet wurden,

... vielleicht wird das geschäftliche Reisen für Meetings weniger, weil es ja auch mit Videokonferenzen geht,

... vielleicht nehmen Menschen wieder mehr Rücksicht aufeinander und lernen eine ganz neue Art des Zusammenlebens,

... vielleicht kaufen wir lieber wieder vor Ort, weil wir das Engagement vieler kleiner Unternehmer wieder zu schätzen wissen,

... vielleicht überdenken wir unseren Konsum, weil wir uns gerade auf das Wesentliche konzentrieren (müssen),

... vielleicht vernetzen wir uns noch viel mehr und rücken näher zusammen.

... Vielleicht ...


... ja, vielleicht ist wirklich nichts mehr, wie es einmal war – aber deswegen muss es nicht unbedingt schlechter sein.

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