Was wäre wenn die Welt weiblich wäre? Gedanken zum Frauentag

- Kategorie : Familienleben
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#weare. Wir Frauen sind so viel: sanft, sorgend, kreativ, einfallsreich, erfolgreich, ausdauernd, ... allem voran aber: STARK.

Frauen in einer männlich dominierten Welt

Ja, stark - denn es braucht Stärke, um sich täglich in einer noch immer von männlichen Grundwerten und männlichen Mechanismen dominierten Welt zu behaupten. Unsere Welt ist männlich. Unsere Gesellschaft ist männlich. Bei allen Errungenschaften, die Frauen in den vergangenen 120 Jahren in Europa erkämpfen konnten (Wahlrecht; das Recht zu studieren; das Recht, einem Beruf ihrer Wahl nach zu gehen – ja… so erschreckend grundlegend sind unsere „Errungenschaften“ des vergangenen Jahrhunderts) – wir sind in unserer Stellung im Verhältnis zu Männern noch immer weit abgeschlagen. Weltweit, aber auch noch immer in Europa.

Der überwiegende Teil der pflegenden Berufe ist „weiblich“. Kinderbetreuung, Lehre in Schulen, Altenpflege – weiblich. Und so sehr wir in den vergangenen Jahren die immense Bedeutung dieser Berufe täglich erfahren haben – die Entlohnung hinkt enorm hinter männlich dominierten Berufen her. Aber auch in anderen Berufszweigen zeigt sich ganz besonders hier in Österreich, aber auch in Deutschland und den meisten anderen europäischen Staaten: Männer bekommen für gleiche Arbeit mehr Geld bezahlt als Frauen. Nennt sich gender pay gap.

Destruktives männliches Balzverhalten

Ja – unsere Welt ist noch immer männlich. Das ist dieser Tage mit einem von einem Mann begonnenen Krieg wieder einmal sehr offenbar geworden.  

Tatsächlich zeigt es sich aber in nahezu allen Belangen unseres Lebens: Die Art wie Wirtschaft immer auf Wettbewerb auf Kosten bestehender Ressourcen aufgebaut ist. Die Art, wie Menschen Reichtum in Form von großen Autos oder noch größeren Yachten definieren. Was wir überhaupt als „Erfolg“ definieren ist meist rein äußerlich und monetär, oft nicht geeignet, das Leben tatsächlich zu verbessern.  Ich nenne das gern „männliches Balzverhalten“, also das, was Männchen tut, um einem anderen Männchen zu zeigen, wer hier der Boss ist. Denn rational ist es anders nicht erklärbar wozu man etwa ein großes Auto braucht, das dann womöglich gerade mal zwei Sitze hat. Aber das ist nur ein Beispiel.

Held:innenplatz – gendern?

Unsere Welt ist männlich. Unsere Sprache ist männlich. Meine auch, so sehr ich mich immer wieder versuche selbst anzuhalten, dass ich das Gendern umsetze. Gendern. Braucht es das?

Ja, ich denke, das braucht es, denn Sprache schafft Realitäten. Solange wir nur von Ärzten reden und von Anwälten und von Politikern, sind es die Bilder von – vornehmlich weißen – Männern, die sich da in unserem Kopf breit machen. Das sollte nicht so bleiben.

Die Stärke von Frauen ist es, Kompromisse zu finden, ressourcenschonend zu agieren, das „koste es was es wolle“ zu einem  „das Beste herausholen“ zu machen.

In den vergangenen 120 Jahren haben Frauen in Europa viel erreicht. Viel erkämpft, denn wer etwa die Geschichte der Suffragetten verfolgt, die für das Frauenwahlrecht gekämpft haben, wird feststellen: Geschenkt wurde Frauen nichts. 

Gleichstellung haben wir tatsächlich bis heute nicht erreicht. Der Gender Pay Gap zeigt das ganz banal in Zahlen, ist aber nur ein Indiz. Corona hat in den vergangenen zwei Jahren offen gelegt, dass Frauen noch immer einen bei weitem größeren Anteil an unbezahlter Familienarbeit leisten – sei es bei der Betreuung von Kindern oder bei der Sorge um bedürftige Familienmitglieder.  

Gleichberechtigung in Familien?

Gleichberechtigung ist in unseren Familien bis heute ein Ausnahmezustand. Wenn Männer in Karenz gehen, wenn überhaupt, dann meist für kurze Zeit. Eine Lösung für die 16 bis 18 Jahre, die ein Kind seine Eltern braucht, ist das natürlich nicht. Aber leider sind viele Frauen da ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, dieses Missverhältnis zu rechtfertigen. Dass es in nordischen Staaten wesentlich gleichberechtigter gut läuft, wird dabei gern übersehen.

Und tatsächlich geht es auch anders – ich muss es wissen, ich lebe mit meiner Familie das Prinzip 50:50.

Es ist viel zu tun

Weltweit ist zu beobachten, wie Frauen Unterdrückung ausgesetzt sind – die Not afghanischer Frauen ist erschreckend, auch wenn sie aktuell in Medienberichten von näheren Katastrophen überlagert wird. Aber auch hierzulande sind Frauen unterdrückt. Femizide stehen nahezu an der Tagesordnung.

Wir alle wollen, dass es besser wird… dann müssen wir auch daran arbeiten, dafür einstehen, uns nicht zufrieden geben, nicht abwiegeln. Wir müssen kein Verständnis für dieses Missverhältnis aufbringen, wir müssen den Mut haben, Veränderung zu fordern. Für uns. Für unsere Töchter. Und tatsächlich: Auch für unsere Söhne, denn ein gleichberechtigter Mann in einer gleichberechtigten Beziehung hat eine starke Partnerin an seiner Seite. Das ist weit mehr wert als der fette SUV.

Am Ende frage ich mich oft – wie wäre wohl eine weibliche Welt? Hätten wir dann auch Krieg in der Ukraine? Eine Klimakrise? Artensterben? Könnte ein größerer weiblicher Anteil manche zerstörerischen Entwicklungen verhindern?


PS:
#weare – dieser Hashtag wurde initiiert von der österreichischen Künstlerin und Songwriterin Virginia Ernst, die anlässlich des Weltfrauentags großartige Konzerte organisiert. Unbedingt reinhören: 8.3., 19:00 Radio Wien, 10.3., 22:50 ORF III

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