Vater-Kind-Bindung: Babytragen ist nur ein Baustein

- Kategorie : Familienleben
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Echte Helden tragen keine Umhänge sondern Babys, heißt es. Wie wahr – schließlich ist ein starker Vater einer, der in enger Beziehung zu seinem Kind steht. 

Babys brauchen die Bindung an ihre Eltern – genauso sehr wie Nahrung, Schlaf und Wärme. Die Zuwendung ihrer Eltern ist für Babys tatsächlich lebensnotwendig. Kinder ohne gute Bindung nehmen Schaden. 

Was in der Generation unserer Eltern oft noch in der starren klassischen Rollenverteilung der Mutter zugeordnet war, teilen sich die neuen Eltern mittlerweile immer mehr. War bis vor kurzem immer von „Mutter-Kind-Bindung“ die Rede, so wird das zunehmend zur Eltern-Kind-Bindung. Und das ist gut so. Je breiter die Basis menschlicher Zuwendung, umso tragfähiger ist das Fundament, auf dem ein Kind sein Leben aufbaut. 

Ein sicher gebundenes Kind kann auch in Krisensituationen, denen es in seinem Leben unweigerlich begegnen wird, auf diese sichere Basis zurück greifen. 

Bindung: Aus Dranschläfern werden Draufgänger

Wenn Babys beginnen, ihre Umwelt zu erkunden, kann man beobachten, wie kleine Entdecker immer wieder Blickkontakt mit ihren Bindungspersonen aufnehmen und sich auf diese Weise für weitere Abenteuer rückversichern. Babys erstes Lebensjahr ist besonders wichtig für die Bindungsentwicklung. 

Das Bindungsverhalten eines Menschen entwickelt sich aber auch danach weiter, verändert sich, und doch bleibt der Kern der frühen Bindungserfahrung ein Leben lang erhalten. Aus kleinen An-den-Eltern-Dranschläfern werden später mal sichere Draufgänger. 

Ein feinfühliges, situationsangemessenes und promptes Reagieren erwachsener Bezugspersonen auf die Äußerungen und Bedürfnisse des Säuglings resultiert in einer sicheren Bindung und ermöglicht es dem neuen Menschen, ebenso feinfühlig mit seiner Umwelt umzugehen. 

Väter mittendrin

Waren Väter noch vor einer Generation innerfamiliär meist in der Rolle des „Familienernährers“, so sehen sich neue Väter mehr als emotionale Bezugsperson in der Familie. Sie sind nicht mehr außen vor sondern mittendrin. Meist schon von der Geburt an. 

Das ist gut für die Familien: Mütter sind mit ihren Kindern nicht mehr auf sich allein gestellt – ein engagierter Vater unterstützt schon im Wochenbett und legt schon da den Grundstein für ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Kind. 

Echte Partner, die einander gegenseitig entlasten. Ein Team. So sehen Eltern sich zunehmend. Zum Vorteil der Kinder, aber auch zum Vorteil der Beziehung zwischen Eltern. Wenn hier ein ausgewogenes Gleichgewicht herrscht, fallen viele Streitpunkte und Verletzungen weg. Das hierarchische Familienernährer und Geldgeber Modell hat zunehmend ausgedient.

Tragen ist das Stillen der Väter

Immer wieder stolpere ich beim Thema Vater-Kind-Bindung über den Satz „Tragen ist das Stillen der Väter“. So ganz will ich ihn nicht „kaufen“. Das liegt wohl daran, dass ich keine Notwendigkeit sehe, dass Väter ein Äquivalent zum Stillen brauchen. Klar, Stillen ist etwas, was nur Mama kann. Aber es gibt so viele Dinge, die (vor allem später mal) nur Papa kann oder die Papa besser kann. Gerade in Familien braucht es keine ständige Saldenliste, die auszugleichen ist. 

Eins steht aber fest: Tragen ist eine perfekte Möglichkeit, mit dem Baby in ganz besonders engen Körperkontakt zu treten. Und das für Väter und Mütter gleichermaßen. Die Rahmenbedingungen sind dabei der Zeit der Schwangerschaft gar nicht unähnlich. Ein getragenes Baby ist warm umhüllt, es hört den Herzschlag des Tragenden, es bewegt sich mit, wird geschaukelt. All diese Elemente sind wohl auch die Ursache, warum Tragen auf Babys so ungemein beruhigend wirkt. Es ist eine sichere, geborgene Situation, die Babys gut kennen und lieben.

Später geht es beim Tragen dann auch immer mehr hinaus in die Welt, ins Abenteuer, ins Entdecken – und der sichere Hafen ist immer dabei. 

Damit ist das Babytragen nicht nur eine faktische Erleichterung sondern ein klein wenig auch ein Geheimtipp für den Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung. Ein wesentlicher Baustein von vielen. 

Tipps für das Gelingen einer engen Vater-Kind-Bindung von Anfang an

Schon vor der Geburt sollten Väter stärker in das Elternwerden eingebunden werden, und zwar nicht nur als „Anhängsel“ beim Geburtsvorbereitungskurs sondern als echter Partner. So einige Anbieter für Väter-Vorbereitungskurse gibt es schon. 

Während der Geburt übernimmt der Vater einen unterstützenden Part. Hier ist oft weniger mehr ;-) Ich war bei allen vier Geburten froh, dass mein Mann einfach da war. Mehr musste er gar nicht tun. Und sollte er auch nicht. 

Gleich nach der Geburt kann der frischgebackene Papa die Mama aber wesentlich entlasten, und so den Grundstein für eine gute Bindung zu seinem Baby legen – und für eine tragfähige Partnerschaft mit der Mutter. Gerade im Wochenbett und ganz besonders nach einem Kaiserschnitt ist vor allem auch eine körperliche Entlastung der Mama wichtig. 

Papa macht das. Als Mama kann Frau sich getrost von den Anforderungen, die an Vor-Mütter-Generationen gestellt wurden, verabschieden. Kinderarzttermine kann Papa genauso gut wahrnehmen. Babys baden, wickeln, anziehen? Männersache! Und: Männer sind die besseren Köche. Ganz im Ernst: Vätern Raum zu geben ist genauso wichtig wie der Wille von Männern, sich einzubringen. 

Hier stelle ich immer wieder fest, dass gerade Mamas sich schwer tun, sich von gesellschaftlichen Vorgaben zu befreien. Oft fehlt es an der Akzeptanz, dass Papa das genauso gut kann oder dass das farblich geschmackvolle Outfit Baby schnurzpiepegal ist. 

An der Stelle kann ich nur sagen: Kein vollwertiger Papa braucht einen Mama-Chef, der ihm sagt, wie er was zu tun hat. Mamas sollten sich da ganz bewusst zurück nehmen – denn Partnerschaft fußt auf einem Begegnen auf Augenhöhe. 

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