Du liebst dein Kind und möchtest alles richtig machen. Du informierst dich zum Thema Schlafen, Stillen, Tragen – und bei all den Babythemen, die dich umgeben, rückt die Selbstfürsorge in den Hintergrund. Wie dir das Tragen dabei helfen kann dich als Frau wieder wahrzunehmen, verraten wir dir hier:

Nach der Geburt sind zwei Muskeln für deine Haltung besonders wichtig: Der Beckenboden und der Transversusmuskel. Ein geschwächter Beckenboden, der weiterhin belastet wird, wird noch mehr geschwächt. Dabei erfüllt der Beckenboden viele wichtige Aufgaben: Er verschließt das Becken nach unten und trägt die inneren Organe. Er sichert die Kontinenz und sorgt auch für ein erfülltes Sexualleben. Vielleicht hast auch du von deinem Beckenboden erst im Zuge deiner Schwangerschaft zum ersten Mal wirklich gehört und bemerkt, dass  beim Niesen vielleicht ein bisschen was in die Unterhose ging. Bei vielen Frauen gerät das Körpergefühl durch eine Geburt zuerst durcheinander. Bei vaginalen Geburten kommt es zu einer besonderen Belastung, oft auch zu einer Schädigung der Beckenbodenmuskulatur. Aktivierst du den Transversusmuskel nicht, kann es zu einer sogenannten „Rektusdiastase“ kommen und dein Bauch wird noch schlaffer. Durch sanfte Rückbildungsgymnastik kannst du diese Bereiche vorsorglich trainieren.

Fünf Tipps für den Beckenboden beim Babytragen

Gestalte dir deine Umgebung beckenbodenfreundlich: Trage bequeme Kleidung, steh aus dem Liegen immer über die Seite auf und achte auf eine aktive Körpermitte. Beim Babytragen sind diese Punkte für den Beckenboden wichtig:

  1. Bereite dich vor: Aktiviere zuerst die innere Schicht deines Beckenbodens und spüre, wie der Unterbauch abflacht und dein Inneres fester wird. Dann aktiviere auch die transversalen (d.h. querverlaufenden) Bauchmuskeln und spüre, wie dein Bauch flach und gerade wird.
  2. Zieh die Schultern und Schulterblätter nach unten hinten – Achtung, kein Hohlkreuz machen!
  3. Zieh dein Kinn leicht nach hinten und strecke deinen Körper.
  4. Lege erst jetzt Tragetuch oder Trage an. Für ein entlastendes Tragen sollte der Schwerpunkt dicht am Körper liegen und das Gewicht des Kindes gleichmäßig verteilt sein (also eher vor dem Bauch / am Rücken tragen und weniger auf der Hüfte).
  5. Trage dein Kind möglichst nah an deinem Körper. Du wirst feststellen: Trägst du dein Kind vor dem Bauch, so stärkt das auch deine Rückenmuskulatur – beim Rückentragen wird deine Bauchmuskulatur gestärkt – ein Workout on the go.

Grundsätzlich gilt: Spanne deinen Beckenboden mehrmals täglich an – und lass wieder locker. Dann das gleiche wieder von vorn. Diese Übung lässt sich überall durchführen – in der Straßenbahn, im Kino oder daheim auf dem Sofa. Je regelmäßiger du diesen Muskel trainierst, desto stärker wird er.

Was du dem Beckenboden zuliebe vermeiden solltest

Unzählige Male am Tag hebst du dein Baby hoch, tröstest es, wickelst es, spielst mit ihm, fütterst es, trägst es auf dem Arm. Bitte versuch, das seitliche Tragen  kurz zu halten. Die seitliche Belastung führt auf Dauer zu einer Beckenschiefstellung und der Beckenboden hat eine schlechtere Grundspannung. Du kannst deinen Beckenboden viel leichter kontrollieren und auf die korrekte Position achten, wenn dein Baby gut eingebunden nah an deinem Körper ist und sein Gewicht auf den Hüften lastet.

Physiologisch ist das Tragen eine Belastung für den Beckenboden – umso eher, wenn die Geburt erst kurz zurück liegt. Deshalb: Achte auf die korrekte Haltung und steigere die Tragedauer erst allmählich. Solltest du Schmerzen beim Tragen haben, such eine Trageberatung auf und lass dir verschiedene Bindeweisen und Tragehilfen zeigen.

Eine aufrechte Haltung ist deine Basis für einen gesunden Rücken und eine schöne Silhouette. Nimm dir bald nach der Geburt – und vor dem ersten Tragen – ein paar Momente für dich und beginne mit der Selbstfürsorge. Dein Beckenboden wird es dir danken.

Einen tollen Beitrag zum Thema Beckenboden, Rückbildung und was du beim Tragen beachten solltest, findest du auch bei Sarah Söldner | Die Familienwiege: Beckenboden und Babytragen – zuviel Belastung?