Ich gestehe:

Ich liebe es, wenn meine Kinder schlafen. Sie sehen dann so süß und friedlich aus, spucken nicht, liefern einander keine unerbittlichen Kämpfe um Legomännchen und Spielzeugautos, kriegen keine Wutanfälle, schmeißen keine Messer (Frühstückssport meines Mittleren), nein, sie sind einfach nur süß. So richtig „Zum Fressen“.

Kinder haben ist verdammt anstrengend. Damit hatte ich nicht gerechnet. Eigentlich hatte ich ja – aus einer als knüppelhart verschrienen Branche kommend – gedacht, dass mich so ein kleiner Zwerg nie aus der Ruhe bringen könnte. Aber tatsächlich sind diese süßen Bürschlein härter als jeder Klient und erbarmungsloser als jeder Chef.

Dass ein Baby seine Bedürfnisse nicht an Mamas Zeitplan anpasst, ist ja eigentlich zu erwarten gewesen. Aber auch ein Zweijähriger hat herzlich wenig Verständnis für den wohlverdienten Mittagsschlaf seiner Mutter oder deren Interesse an anderen Dingen als Puzzles und Kasperltheater.

Und somit beginnt man die Zeiten, in denen die lieben Kleinen schlafen, ganz besonders zu schätzen – als Reminiszenz an die Freiheit, die man hatte, bevor man Kinder hatte.

Ich muss weiter gestehen, ich genieße auch meine Office-Tage, an denen mein Mann die Kinder schupft. Und, wenn ich ganz ehrlich bin, dann bleibe ich an manchen Tagen extra so lang im office bis ich weiß, dass meine Kinder sicher schlafen bis ich nach Hause komme (wobei: Das ist ja nichts Neues, nur dass in der Generation meiner Eltern so eine Flucht ins Büro fast nur Vätern vorbehalten war). Dann husche ich ganz leise in ihr Zimmer und freue mich über den Anblick meiner friedlich schlummernden Rasselbande und weiß: Tatsächlich steckt in jedem meiner Rabauken ein kleiner Engel.

Unterm Strich würde ich mich bei aller Anstrengung und trotz aller Strapazen des elterlichen  Nervensystems aber immer wieder und wieder dafür entscheiden, Kinder zu bekommen. Wer braucht schon Ruhe, wenn er das Privileg hat, seinen Zweijährigen zu beobachten, wie er beim Anblick von waschechten Kühen – Stadtkind eben – in spitze Begeisterungsschreie ausbricht, wer braucht schon Schlaf, wenn er sich mit seinem Fünfjährigen über die wahren Helden des Alltags (Feuerwehrleute, Polizisten, Bauarbeiter und Müllmänner) unterhalten kann. Und wer schon einmal von einem Zwerg mit strahlendem Lächeln und weit ausgebreiteten Armen begrüßt wurde, weiß, dass es so etwas wie bedingungslose Liebe gibt.