Gibt es Babys, die nicht getragen werden wollen?

Das Idealbild einer jeden Tragemama ist wohl ein Baby, das zufrieden in der Trage schläft und die Nähe genießt. Aber was tun, wenn dein Kind in der Babytrage unruhig wird und weint? Wir zeigen dir Möglichkeiten, wie du dein Baby ans Tragen gewöhnen kannst.

Gibt es wirklich Babys, die nicht getragen werden möchten?

Biologisch gesehen möchten die allermeisten Babys getragen werden. Menschenkinder sind Traglinge. Das ist eine biologische Veranlagung. Die meisten Babys möchten getragen werden. Getragen zu werden liegt in ihrer Natur. Ihr Urinstinkt sagt ihnen, dass sie in Gefahr sind, wenn sie alleine sind. Körperkontakt ist genauso wie Essen und Trinken ein Grundbedürfnis von Babys.

Es gibt natürlich immer Ausnahmen und besonders „autonome“ Babys. Oft macht es aber auch nur den Anschein, als würde ein Baby das Tragen ablehnen und nicht getragen werden wollen. Die Ursache liegt dann woanders: Es kann sein, dass dein Baby Schmerzen hat und weint – es kann sich nicht anders als sich durch Weinen mitteilen. So entsteht schnell der Eindruck, dass dein Baby nicht getragen werden möchte. Dabei liegt es dann nicht am Tragen selbst, sondern z.B. an Ohrenschmerzen. Unser erster Tipp, besonders wenn Dein Baby plötzlich beim Tragen weint und bisher zufrieden war: Schau, ob es gerade eine Krankheit ausbrütet.

Mit ca. 6 Wochen wollen Babys oft schon mehr sehen – achte darauf, dass Dein Kind, wenn es wach ist, aus der Tragehilfe hinaussehen kann.

Manchmal liegen die Ursachen aber tiefer, wenn ein Baby beim Tragen weint:

Wie du dein Baby ans Tragen gewöhnen kannst

So halten es z.B. Babys, die sich überstrecken oft nicht aus, wenn man ihren Kopf mit Tragehilfe oder Tuch abstützt. Sie ertragen auf dem Hinterkopf keinen Druck und beginnen zu weinen. Hier ist es wichtig mit Kopfstützen sehr behutsam umzugehen.

Wenn ein kleines Baby das Tragen vehement ablehnt, solltest du mit deinem Baby einen Osteopathen aufsuchen. Es könnte sein, dass Blockaden, die z.B. durch die Enge im Bauch oder durch die Geburt entstanden sind, dein Baby quälen. Ein Osteopath kann solche Blockaden lösen.

Es kann aber auch passieren, dass dein Baby nach einer traumatischen Geburt die Enge mit einer unangenehmen Erfahrung und Angst verbindet. Dann erinnert dein Baby das Tragen an diese Erfahrung und es drückt sein Unwohlsein durch Weinen aus.

Wie du dein Baby ans Tragen gewöhnen kannst

Gib deinem Baby Zeit. Probiert immer wieder, wenn dein Kind gut ausgeruht und satt ist, die Trage zu verwenden. Am besten, du schaukelst Dein Baby beim Einbinden und gehst direkt los, sobald dein Kind in der Tragehilfe gesichert ist. Die Trage muss noch nicht perfekt eingestellt ist, wichtig ist die Bewegung für dein Baby. Zum exakten Einstellen hast du später auch noch Zeit.

Eine Trageberaterin kann Euch in solchen Situationen gut weiter helfen. Sie kann dir die wichtigsten Handgriffe zeigen und oft hilft es auch, wenn Eltern beim Tragen an Sicherheit gewinnen.

Ganz oft hilft es in solchen Situationen auch, den Druck hinaus zu nehmen. Tragen ist eine schöne, praktische Möglichkeit, mit Deinem Baby unterwegs zu sein. Tragen ist aber kein Muss. Du bist keine schlechte Mama, wenn es auch nach vielen Versuchen nicht klappt.

Das solltest Du kontrollieren, wenn Dein Tragebaby plötzlich beim Tragen weint:

Hunger/Durst: Ist dein Baby vielleicht hungrig oder durstig? Stille es oder füttere es mit der Flasche. Dein Baby wird am liebsten dann getragen, wenn es satt ist.

Volle Windel/muss mal: Babys zeigen, kurz bevor sie müssen, an. Dabei werden sie ein wenig unruhig oder quenglig. Du kannst dein Baby nun abhalten oder die Windel wechseln.

Zu müde: Wenn dein Baby bereits zu müde ist, dann fällt es ihm schwer, in den Schlaf zu finden. Die Trage ist dann eine gute Möglichkeit, dein Baby zu beruhigen. Aber wie immer, ist hier das richtige Timing entscheidend: Ein übermüdetes Baby schläft schwerer ein.

Zu aktiv: Irgendwann kommt der Moment, da möchte dein Baby etwas erleben und die Welt entdecken. Vielleicht ist dein Kind gerade viel zu aktiv und möchte in seinem Entdeckerdrang nicht unterbrochen werden.

Nicht gut gestützt: Die meisten Babys mögen die Begrenzung und Enge. Kontrolliere daher, ob du dein Baby auch gut eingebunden hast bzw. alle Schnallen gut sitzen. Weder zu fest, noch zu locker ist für dein Baby fein. Allerdings kannst du eine Babytrage nur dann perfekt anpassen, wenn du auch die richtige Größe gekauft hast. Deswegen: Kaufe bitte nie auf Vorrat mit dem Gedanken, dass dein Baby dann schon hineinwächst, sondern investiere in eine jetzt passende Trage, in der sich dein Baby wohlfühlt. Je kleiner das Baby umso wichtiger ist die passende Größe!

Zu warm: Babys sollen immer eine Schicht mehr als Erwachsene tragen, damit ihnen nicht zu kalt ist und weil sie ihre Körpertemperatur selbst noch nicht halten können – ja, aber beim Tragen bedenke, dass deine Körperwärme auch hinzukommt und die Trage selbst auch noch eine zusätzliche Stoffschicht ist. Vielleicht ist deinem Baby einfach zu warm. Kontrolliere das am besten im Nacken!

Unsicher: Babys spüren, wie wir uns fühlen. Wenn du in Sachen Babytrage und wie du sie richtig einstellst bzw. dein Baby hineinsetzt noch unsicher bist, dann spürt dein Baby deine Unsicherheit und reagiert darauf weinerlich. Nur Mut! Je mehr zu übst, desto sicherer wirst du. Lass es dir am besten von einem Profi (eine Liste von Trageberaterinnen findest Du hier: http://www.buzzidil.com/trageberaterinnen-hebammen-trageschulen/) zeigen und übe dann einer ruhigen Minute mit deinem Baby, wenn es satt und zufrieden ist.

Zu langsam: Babys haben noch kein Zeitgefühl und vieles geht ihnen  zu langsam. Sie können noch nicht warten. Genauso wie sie beim Zubereiten des Breis ungeduldig werden oder bis sie den Busen erwischen, genauso ungeduldig sind sie in Sachen Babytrage. Deswegen ist eine Babytrage, die du nur ein Mal auf dich und dein Baby einstellen musst und dann schnell anlegen kannst, ideal!

Einstellung der Babytrage: Manchmal liegt es aber auch an der Einstellung der Babytrage. Womöglich wird der Rücken nicht gut gestützt, dein Baby sieht zu wenig, oder es ist zu locker –kontrolliere daher, wie du die Babytrage eingestellt hast.

Kleidung zwickt: Babykleidung ist niedlich, aber nicht immer bequem. Am besten verwendest du beim Tragen weiche Babykleidung ohne Knöpfe und Reißverschlüsse, damit beim Kuscheln in der Trage auch nichts zwickt oder piekst.

Unsere Tipps

Lass dir nach der Geburt nicht zu lange Zeit, bis du mit dem Tragen beginnst. Es spricht nichts dagegen, wenn du dein Baby von Geburt an trägst – auch gerne mehrere Stunden am Tag. Du kannst dein Baby damit nicht verwöhnen, denn es braucht den Körperkontakt. Je länger dein Baby von der Enge im Bauch entwöhnt ist, desto schwieriger wird es auch, dein Baby wieder daran zu gewöhnen. Aber unmöglich ist es nicht!

  • Immer darauf achten, dass dein Baby gut eingebunden ist und die Begrenzung spürt.
  • Beine nicht zu weit gespreizt, Rücken gut gestützt, damit dein Baby nicht zusammensackt.
  • Benutze die Babytrage immer wieder – auch wenn es nur ein paar Minuten sind.
  • Gebt euch Zeit – du und dein Baby müsst euch erst aufeinander einstellen und euren Weg finden.
  • Sei sicher! Dein Baby spürt deine Unsicherheit – lass Dir das Tragen von einem Profi zeigen.
  • Probiere das Tragen in entspannten, ruhigen Momenten aus.
  • Nimm den Stress raus, lass die Trage mal lieber ein paar Tage liegen und probiere es dann wieder.
  • Hast du die passende Trage in der richtigen Größe? Vielleicht kann dir eine Trageberaterin weiterhelfen!

Tragen entscheidet nicht darüber, ob du eine gute Mama oder ein guter Papa bist – tragen hat viele Vorteile, aber am meisten zählt, dass es euch gut geht.

Hier findest du die passende Babytrage für dich und dein Baby:


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