8. März 2012:

Das Töpfchen. Unweigerlich tritt es ins Leben eines Zweijährigen und seiner Eltern, macht sich dort breit, vermehrt sich und ist schließlich allgegenwärtig. Wir haben ja vier (also ja, Kinder auch, aber ich meine hier gerade Töpfchen). Erbstücke von Lukas Töpfchen-Zeit. Der hatte eins bei der Oma (auch Initiatorin des Töpfcheneinzugs), eins im Kindergarten, eins bei uns und eins zum immer-dabei-haben.

Ein Töpfchen immer dabei – zB beim Feuerwehrumzug

Damals, als wir erst ein Töpfchen hatten, meinte Luka doch eines Morgens „Kommt Gacka“. Mein Mann, nicht faul, sprang wie vom wilden Watz gebissen vom Frühstückstisch auf, rannte ums Töpfchen, entriss Luka seinen halb vollgegackten Windeln und platzierte ihn noch zeitgerecht fürs Halbfinale auf dem Töpfchen. Hurra! Luka hat Gacka ins Töpfchen gemacht!!! Toll, was für eine Freude! Noch während mein Mann und ich einen begeisterten Freudentanz ums halbgefüllte und außerordentlich verschmierte Töpfchen vollführten, um Luka klar zu machen, welch große Freude er uns gemacht hatte, lief dieser ebenso freudig eine Siegerrunde durch die Wohnung. Und noch eine, und noch eine. Der Popo ebenso verschmiert wie das Töpfchen. Und schon bald wurde aus dem Freudentanz eine wilde Jagd – Luka voraus, mein Mann und ich hinterdrein – hinter dem begacksten Popsch, der andernfalls mit Sicherheit bald am Sofa oder einem anderen Polstermöbel landen würde.

Zu anderer Gelegenheit saß Luka, den wir im Sommer aus pädagogisch wertvollen Gründen der Sauberkeitserziehung praktisch immer unten ohne rumlaufen ließen auf seinem Hochstuhl beim Frühstückstisch. Da meinte Luka „Kommt heraus“ und ehe ich noch nachfragen konnte, was den wo herauskäme, pinkelte er auch schon mit gezieltem Strahl unter den Frühstückstisch. Lecker.

Jetzt wird Raffael bald zwei Jahre alt. Und kaum nähert sich sein Geburtstag, werde ich im Kindergarten auch schon von einer besorgten Mama gefragt, ob er denn schon aufs Töpfchen gehe, denn ihre, die hätte es schon so gut gekonnt, aber jetzt würde sie dauernd in die Hose machen.

Nein, Raffael geht noch nicht aufs Töpfchen, denn

ich habe dazu gelernt.

Da letztlich keiner meiner Großen mit dem Töpfchen „sauber“ geworden ist, werde ich das Töpfchen bei Raffael Töpfchen sein lassen und ihn entscheiden lassen, was, wann und wie. Überhaupt habe ich beschlossen, mich mit dem Thema Sauberkeitserziehung nicht mehr im Detail auseinander zu setzen. Bei Luka war ich noch verunsichert von all den Mamas, die ihre Kinder durch die stetige Frage „Musst Du Lulu“ zum Klogang bewegen konnten.

Wenn ich meine Kinder gefragt habe „Musst Du Lulu“, haben sie mich höchstens mit glasigen Augen angeschaut und sich vermutlich gefragt, was das für ein unsinniger neuer Sport ist. Keines meiner Kinder ließ sich durch diese Dauer-Fragerei zum Klogang bewegen. Dafür habe ich heute nicht den Stress, meine Kinder vor jeder Autofahrt doch noch mal schnell zum Klogehen aufzufordern. Wenns kommt, kommts, Lulu auf Vorrat, ist bei meinen Buben verschwendete Spielzeit.

Nachtrag: 19. Juni 2017

Inzwischen ist mein viertes Söhnchen 2 1/2 Jahre alt. Eine neue Runde und ich bin auf meinen alten Blogpost gestoßen. Raffael hatte damals ganz ohne potty training von einen Tag auf den anderen beim Thermenurlaub jedes Mal bescheid gesagt, bevor er aufs Klo musste. Wir hatten natürlich kein Töpfchen dabei, dafür aber jede Menge Windeln, denn damit, dass das von jetzt auf gleich geht, hatte ich dann wirklich nicht gerechnet.

Somit kann ich sagen: Konzept bewiesen und auch unser Kleinster scheint ohne Potty-Training und ohne „Musst Du jetzt aufs Klo?“-Fragen den Weg zum Klo zu finden.

Ist doch schön, wenn etwas so entspannt ablaufen kann, wenn man Kind nur seine Zeit lässt!

Einen Tipp für alle Eltern, deren Kinder sich mit dem großen Geschäft am Klo schwer tun, habe ich aber noch: Klotreppen! Zwei meiner Jungs konnten sich am großen Klo nicht so recht entspannen – diese Klostiegen mit dem kleinen Brettchen, die man einfach an die Toilette dranstellen kann, sind da echt hilfreich.